Robert Baur – Historischer Kriminalroman

Robert Baur hat sein erstes Buch geschrieben, weil ihn der Film „Metropolis“ dazu inspirierte. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, einem kreativen Impuls zu folgen. Sein Buch Mord in Metropolis erschien letztes Jahr im Gmeiner Verlag, ein weiteres ist in Planung. Ich freue mich, dass Robert mir ein paar Fragen beantwortet hat. Viel Spaß!

Du bist eigentlich Personalentwickler, ein Beruf, der vom Schreiben recht weit entfernt scheint. Oder täusche ich mich?

Ja und nein. In meinen Seminaren und Workshops erzähle ich seit vielen Jahren Geschichten, um die Inhalte lebendig rüberzubringen. Bei mir geht es meist um Führungsmethodik oder Rhetorik. Da kann man nicht acht Stunden Theorie bringen. Die Erzählungen sind natürlich keine Plauderei, sondern sorgsam ausgewählt. Im Erzählen bin ich also ständig in Übung. Was mich am Schreiben so fasziniert, ist die Zweckfreiheit. Natürlich soll es spannend und unterhaltsam sein, aber die Texte müssen pädagogisch nichts bewirken. Das befreit mich. Auf der anderen Seite hilft mir die Psychologie doch sehr bei der Konstruktion meiner Figuren.

Was bedeutet Literatur für dein Leben?

Literatur hat mich immer begleitet und mir für mein Leben wichtige Impulse gegeben. Zur Zeit lese ich von Joseph Conrad „das Herz der Finsternis“. Faszinierend, wie man plötzlich in den Kongo der Jahrhundertwende „gebeamt“ wird. Eine Zeitreise eben. Ich werde wohl noch für einige Zeit Krimis aus den zwanziger Jahren schreiben. Deshalb lese ich zwangsläufig viel Literatur aus dieser Zeit und staune, wie progressiv und wild das Berlin der 20er doch war. Es gab „Fast Food-Restaurants“, Parfüm-Automaten, unglaublich ausgelassene Bälle, Tisch-Telefone, Lichtreklame, Block-Busters in Kinos mit 2500 Sitzplätzen, Cafés mit Rolltreppen für 3000 Besucher. Gigantomanie! Natürlich auch abgrundtiefe Armut, Drogen und Prostitution.

Du warst vom Film „Metropolis“ und seiner Entstehungsgeschichte so fasziniert, dass du einen Roman um die Geschichte „gestrickt“ hast. Hast du vorher schon geschrieben?

Nein. Die Idee kam unvermittelt und schlug wie ein Blitz ein. Ich hatte keine Ahnung vom Literaturbetrieb, informierte mich nicht über die Chancen, einen Verlag zu finden. Ich wollte einfach schreiben. Erst als der Roman fertig war, habe ich mich um all das gekümmert. Heute denke ich, das war ein Glück.

71UV4iTAxXL
Mord in Metropolis. Robert Baur im Gmeiner Verlag. Bei amazon.

Was ist dir beim Schreiben am leichtesten gefallen? Was schwer?

Das Schreiben an sich war für mich eine tolle Erfahrung. Eine Art Rausch. „Flow“ würden die Psychologen das nennen. Wie auch immer, bisweilen war ich selbst überrascht, wo sich die Geschichte hin entwickelt. Schwerer war am Anfang die Recherche. Viele Dinge mussten geklärt werden: Welche Automarken gab es 1925? Telefone? Wer hatte ein Auto? Wie war die Kriminalpolizei aufgebaut? Wie hat man Filme in Neubabelsberg gedreht? Gab es schon Tonfilme? Bald hing ein Pharus-Plan von Berlin 1925 an der Wand mitsamt alter Postkarten und Fotos. Die Recherche war sehr aufwendig.

Wer sollte „Mord in Metropolis“ lesen?

Alle, die eine spannende Zeitreise in die Filmwelt der Goldenen Zwanziger unternehmen wollen.

Was würdest du angehenden Autoren raten?

Oh je, ein Ratschlag. Ich versuche es mal: Wer eine Idee hat, für die er/sie wirklich brennt, sollte sich nicht entmutigen lassen. Es gibt so viele Zweifler und Bedenkenträger. Außerdem: Eine bunte Gruppe von Testlesern und ein gutes Lektorat sind Gold wert.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Die Vereinigung jiddischer Polizisten von Michael Chabon, Pulitzer-Preisträger von 2011. Empfehlenswert ist das Hörbuch, gesprochen von Armin Rohde. Ich verneige mich!

Hast du weitere Pläne, was das Schreiben betrifft?

Ja, der zweite Krimi (Exkommissar Grenfeld ermittelt wieder) liegt seit ein paar Tagen beim Lektor. Er wird Februar 2016 im Gmeiner-Verlag erscheinen. Der Titel steht noch nicht fest.

Lieber Robert, ich freue mich dass Du auf der Autoren-Couch Platz genommen hast. Vielen Dank für deine Zeit!

Spread the word!
RSS
Follow by Email
Facebook
Facebook
Google+
http://autoren-couch.de/2015/06/05/robert-baur-mord-in-metropolis/
Twitter
SHARE