Archiv der Kategorie: Autoren nach Genre: Krimi

Brita Rose-Billert

Brita ist eine sehr sympathische Autorin, und ich freue mich sehr darauf, die beiden Bücher, die sie mir schickte, zu lesen und auf meinem anderen Blog zu besprechen. Sie hat einen Beruf, der, wie ich mir vorstellen kann, emotional sehr aufreibend sein kann und einem einiges abverlangt. Dennoch strahlt sie, auch aus der Ferne, eine große Herzlichkeit aus. Ihre Bücher handeln oft von Indianern, was sich für den einen oder anderen vielleicht klischeehaft anhören mag – ich finde das ziemlich spannend, denn es sind ihre eigenen Erfahrungen, welche die Grundlage für ihre Geschichten bilden.

Was mir an diesem Interview besonders gefallen hat: Brita nutzt die Gelegenheit, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Dazu möchte ich auch „meine“ anderen Autoren an dieser Stelle ermutigen! Ihr wisst, dass es bei mir keine Standardfragen gibt, denn kein Autor ist wie der andere. Dennoch kann ich euch, unbekannterweise und aus der Ferne, nur eine kleine Taschenlampe zuwerfen. Die wichtigen Stellen zu beleuchten liegt dann in eurer Hand.

Aber jetzt zu Brita – auch sie musste eine wenig auf ihre Fragen warten:

Hier nun meine Fragen. Danke für deine Geduld!

Gerne. Leser die fragen, sind sehr interessierte und aufmerksame Leser.

Liebe Brita, in den meisten deiner Bücher spielen Indianer eine Hauptrolle. Wie kam es dazu? Wann und bei welcher Gelegenheit bist du ihnen begegnet?

Dazu möchte ich mit einem eigenen Zitat beginnen. „Manchmal, wenn du auf der Suche nach Freunden bist, findest du sie nicht.
Manchmal finden sie dich.“

„Indianer“ waren meine Helden. Stolz und tapfer kämpften sie auf ihren Ponys um ihr Land und ihr Recht. Als ich endlich durfte, reiste ich zu ihnen ( Navajo, Apache, Sioux, Salish, Cree …)
Was ich fand war ernüchternd. Armut, Alkohol und Drogensucht und Resignation schlugen mir entgegen. Meine Helden suchte ich zunächst vergebens. Doch nach und nach öffneten sich die Türen zu freundlichen und neugierigen Menschen. Sie leben in einem Land krasser Widersprüche.

Aus uns Fremden wurden Freunde. Ich habe mit ihnen in ihren Trailern gewohnt, gemeinsam gegessen und gelacht. Sie haben einen besonderen Humor und ich glaube, ich hatte lange nicht mehr so ausgelassen gelacht.
Außerdem bin ich in meiner knappen Freizeit oft mit meinem Pferd unterwegs. Auch das, die Westernreiterei und der Umgang mit Pferden, hat uns sehr miteinander verbunden. Pferde spielen auch immer wieder eine Rolle in meinen Geschichten. Die Plainsindianer sind ein Reitervolk, durch und durch, und identifizieren sich damit.

Und wie kam es zu der Idee, darüber zu schreiben? Hast du das „schon immer“ gern gemacht?

Schulaufsätze und Gedichte schon immer, ja. Aber einen Roman… Das wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Ich wollte nicht. Es gab und gibt schon so viele Bücher und ich bin natürlich auch eine unvoreingenommene Leseratte.
Irgendwann fand ich nicht mehr den passenden Lesestoff und ich muss gestehen, dass ich leider auch manches „Indianerbuch“ enttäuscht weggelegt hatte.

Ich nahm also ein Blatt Papier und schrieb per Hand. Der Papierkorb war nicht weit weg 🙂

Wie viel in deinen Geschichten ist reine Fantasie und welchen Anteil spielen reelle Hintergründe?

Reelle Hintergründe sind das Gerüst jeder meiner Geschichten! Doch wer möchte schon ein Fachbuch voller Belehrungen lesen? Das Gerüst der Tatsachen und aktuellen Situation der Native American Indians, male ich mit Fantasie bunt aus, damit ein spannender Roman daraus wird.
Ich gebe den unbekannten Freunden Namen, Charaktere und Gestalt, damit sich jeder Leser und jede Leserin mit meinen Helden identfizieren kann, miterleben und mitfühlen kann.
Seit den Gegenwartsromanen „Maggie Yellow Cloud- Mord auf Pine Ridge“ und „Maggie Yellow Cloud- Das verkaufte Herz“, um eine indigene Ärztin, die unbeabsichtigt in kriminelle Handlungen verstrickt wird, kamen auch viele Leser/innen hinzu, die vorher noch nie ein „Indianerbuch“ gelesen hatten.

Wann war deine erste Veröffentlichung und wie hast du deinen Verlag gefunden?

Die Suche nach einem Verlag war eine Odysee und ich brauchte zwei Jahre, um endlich einen

Spirit of the Hawk - Das Geheimnis des Falken, Brita Rose-Billert, amicus - Verlag
Spirit of the Hawk – Das Geheimnis des Falken, Brita Rose-Billert, amicus – Verlag

Kleinverlag zu finden, der keinen Druckkostenvorschuss vom Autor wollte. Im Jahr 2008erschienen damit meine Debütromane „Das Geheimnis des Falken“ und „Der Tanz des Falken“, die den unermüdlichen Kampf eines jungen Lakotas beschreibt, der seine Familie, seine Ranch und sein Leben retten will. Meine Suche ging dennoch in verschiedene Richtungen weiter. Manchmal auch in die Falsche. Ich wollte besser werden und vor allem ernst genommen werden.

So schickte ich 2010 mein drittes Manuskript „Maggie Yellow Cloud“ zum Traumfängerverlag, der sich Fachverlag für gute Indianerliteratur nennt. Hier war ich besser aufgehoben und Bücher, die dieser Verlag veöffentlicht, müssen gut recherchiert und realistisch sein.
Danach hatte ich auch etwas leichter, andere Verlage für meine Projekte zu interessieren.

Wie war die Resonanz in deinem Umfeld?
Wir leben in einem Land krasser Widersprüche 🙂
Am Anfang belächelt in die Schublade „Winnetou“ geschoben. Dann kam der „Aha-Effekt“, denn Menschen sind ja auch neugierig. Inzwischen sind einige süchtig geworden 🙂

In deinen Geschichten spielt auch dein Beruf mit hinein. Erzähl doch mal etwas darüber.

Ich bin Fachkrankenschwester für Heimbeatmung und Intensivpflege. In meinem Beruf kenne ich mich gut aus. Ich weiß also, wovon ich schreibe. Und so habe ich Hobby und Beruf beisammen und es macht Spaß. Außerdem gebe ich meinen Patienten oft Privatlesungen. Einige wollten so gern mit in meine Geschichten hinein. Diesen Wunsch habe ich gerne erfüllt. Da ich bei schwerkranken Menschen, oft ohne Heilungschancen, in deren Zuhause arbeite, möchte ich ihnen damit auch Mut machen, nicht aufzugeben.

Maggie Yellow Cloud: Das verkaufte Herz, eine Lakota-Ärztin bei den Navajo, Brita Rose-Billert, TraumFänger Verlag
Maggie Yellow Cloud: Das verkaufte Herz, eine Lakota-Ärztin bei den Navajo, Brita Rose-Billert, TraumFänger Verlag

Im „Verkauften Herz“ z.B. habe ich eine reelle Wachkomapatientin eingebaut, um zu zeigen, dass auch diese Menschen (je nach Phase) noch sehr viel von ihrem Umfeld mitbekommen- mehr, als mancher denkt. Zum anderen sollte es auch eine Hilfe für Angehörige und Freunde sein, mit solchen Menschen umzugehen. Zu oft haben diese Berührungsängste und ziehen sich zurück. „Indianer“, die sich selbst immer als die, deren Stamm sie angehören, bezeichnen, haben natürlich auch die verschiedensten Berufe und moderne Hospitäler gibt es auch in Reservationen, genau wie Patienten mit allen unterschiedlichen Erkrankungen.

In deinem letzten Buch bist du in ein anderes Genre gewechselt. Wie kam es dazu?

Nein, das Genre Krimi/ Thriller ist geblieben. Ich habe lediglich nur die Handlung meines

Tote Killer küssen besser - Großdruck, Brita Resorbiert, AAVAA Verlag
Tote Killer küssen besser – Großdruck, Brita Resorbiert, AAVAA Verlag

Krimis/ Thrillers nach Deutschland verlegt. „Tote Killer küssen besser“ ist entstanden, weil ich mich ungern in eine Schublade verfrachten lasse. Auch mit diesem Roman habe ich offene Türen eingerannt.

Schreibst du aktuell an einem Buch?

Aktuell arbeite ich an drei Manuskripten. Das ist bei mir normal. Ein Manuskript ( Arbeitstitel: Sheloquins Vermächtnis- Im Land der Totempfähle ) ist fertig und bekommt gerade den Feinschliff vor der Abgabe. Es geht um den immer wieder aktuellen Landraub von den Aboriginals, den Stämmen der Nordwestküste, in British Columbia.
Die anderen zwei befinden sich bei Kapitel 1-3. Auch ein weiterer Krimi, der in Thüringen handeln wird, ist in Planung.

Hast du einen Tipp für angehende Autoren?

Endlose Geduld auf der Suche nach einem Verlag, der keine Druckkostenzuschüsse vom Autor verlangt. Selbstverleger haben es schwer, als Autor ernst genommen zu werden. Enttäuschungen sind immer vorprogrammiert- nur nicht aufgeben.
Es macht Sinn, sein fertiges Manuskript für einige Zeit in die Schublade zu legen, um es später zu überarbeiten. Wichtig ist es, in ein professionelles Lektorat zu investieren.

Vielen Dank für deine Zeit. Ich freue mich, dass du hier bist!

Gerne doch. Ich freue mich meinerseits, hier sein zu dürfen. Ohne euch Leser wären wir Autoren doch ganz schön aufgeschmissen. 🙂
Vielen Dank und jederzeit viel Spaß am Schmökern sowie unerschöpfliche Neugier!
Mehr zu mir, meiner Arbeit und natürlich allen sechs Romanen mit Leseproben gibt es auf meiner Autorenhomepage: brita-rose-billert.de

Liebe Grüße – Brita Rose Billert

Robert Baur – Historischer Kriminalroman

Robert Baur hat sein erstes Buch geschrieben, weil ihn der Film „Metropolis“ dazu inspirierte. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, einem kreativen Impuls zu folgen. Sein Buch Mord in Metropolis erschien letztes Jahr im Gmeiner Verlag, ein weiteres ist in Planung. Ich freue mich, dass Robert mir ein paar Fragen beantwortet hat. Viel Spaß!

Du bist eigentlich Personalentwickler, ein Beruf, der vom Schreiben recht weit entfernt scheint. Oder täusche ich mich?

Ja und nein. In meinen Seminaren und Workshops erzähle ich seit vielen Jahren Geschichten, um die Inhalte lebendig rüberzubringen. Bei mir geht es meist um Führungsmethodik oder Rhetorik. Da kann man nicht acht Stunden Theorie bringen. Die Erzählungen sind natürlich keine Plauderei, sondern sorgsam ausgewählt. Im Erzählen bin ich also ständig in Übung. Was mich am Schreiben so fasziniert, ist die Zweckfreiheit. Natürlich soll es spannend und unterhaltsam sein, aber die Texte müssen pädagogisch nichts bewirken. Das befreit mich. Auf der anderen Seite hilft mir die Psychologie doch sehr bei der Konstruktion meiner Figuren.

Was bedeutet Literatur für dein Leben?

Literatur hat mich immer begleitet und mir für mein Leben wichtige Impulse gegeben. Zur Zeit lese ich von Joseph Conrad „das Herz der Finsternis“. Faszinierend, wie man plötzlich in den Kongo der Jahrhundertwende „gebeamt“ wird. Eine Zeitreise eben. Ich werde wohl noch für einige Zeit Krimis aus den zwanziger Jahren schreiben. Deshalb lese ich zwangsläufig viel Literatur aus dieser Zeit und staune, wie progressiv und wild das Berlin der 20er doch war. Es gab „Fast Food-Restaurants“, Parfüm-Automaten, unglaublich ausgelassene Bälle, Tisch-Telefone, Lichtreklame, Block-Busters in Kinos mit 2500 Sitzplätzen, Cafés mit Rolltreppen für 3000 Besucher. Gigantomanie! Natürlich auch abgrundtiefe Armut, Drogen und Prostitution.

Du warst vom Film „Metropolis“ und seiner Entstehungsgeschichte so fasziniert, dass du einen Roman um die Geschichte „gestrickt“ hast. Hast du vorher schon geschrieben?

Nein. Die Idee kam unvermittelt und schlug wie ein Blitz ein. Ich hatte keine Ahnung vom Literaturbetrieb, informierte mich nicht über die Chancen, einen Verlag zu finden. Ich wollte einfach schreiben. Erst als der Roman fertig war, habe ich mich um all das gekümmert. Heute denke ich, das war ein Glück.

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Mord in Metropolis. Robert Baur im Gmeiner Verlag. Bei amazon.

Was ist dir beim Schreiben am leichtesten gefallen? Was schwer?

Das Schreiben an sich war für mich eine tolle Erfahrung. Eine Art Rausch. „Flow“ würden die Psychologen das nennen. Wie auch immer, bisweilen war ich selbst überrascht, wo sich die Geschichte hin entwickelt. Schwerer war am Anfang die Recherche. Viele Dinge mussten geklärt werden: Welche Automarken gab es 1925? Telefone? Wer hatte ein Auto? Wie war die Kriminalpolizei aufgebaut? Wie hat man Filme in Neubabelsberg gedreht? Gab es schon Tonfilme? Bald hing ein Pharus-Plan von Berlin 1925 an der Wand mitsamt alter Postkarten und Fotos. Die Recherche war sehr aufwendig.

Wer sollte „Mord in Metropolis“ lesen?

Alle, die eine spannende Zeitreise in die Filmwelt der Goldenen Zwanziger unternehmen wollen.

Was würdest du angehenden Autoren raten?

Oh je, ein Ratschlag. Ich versuche es mal: Wer eine Idee hat, für die er/sie wirklich brennt, sollte sich nicht entmutigen lassen. Es gibt so viele Zweifler und Bedenkenträger. Außerdem: Eine bunte Gruppe von Testlesern und ein gutes Lektorat sind Gold wert.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Die Vereinigung jiddischer Polizisten von Michael Chabon, Pulitzer-Preisträger von 2011. Empfehlenswert ist das Hörbuch, gesprochen von Armin Rohde. Ich verneige mich!

Hast du weitere Pläne, was das Schreiben betrifft?

Ja, der zweite Krimi (Exkommissar Grenfeld ermittelt wieder) liegt seit ein paar Tagen beim Lektor. Er wird Februar 2016 im Gmeiner-Verlag erscheinen. Der Titel steht noch nicht fest.

Lieber Robert, ich freue mich dass Du auf der Autoren-Couch Platz genommen hast. Vielen Dank für deine Zeit!