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Roy O Finnigan – Science Fiction

Roy O Finnigan ist Physiker und begeistert sich für Science Fiction. Was seine Geschichten so besonders macht, ist eine spannende Mischung aus SciFi und Elementen von Fantasy. Ich freue mich, dass Roy sich Zeit für ein wirklich ausführliches Interview genommen hat. Er gibt uns spannende Einblicke in seine Gedankenwelt, die einfach Lust machen, sich noch mehr mit den angesprochenen Themen zu beschäftigen.

 

Lieber Roy, wie hängen dein Beruf und deine Schreiberei zusammen?

Da gibt es eine enge Beziehung. Ich habe Physik studiert und seit dem viele Jahre in der Halbleiter- und Computerindustrie gearbeitet. Nebenbei interessiere ich mich auch noch für Quanten- und Relativitätstheorie.

Deshalb weiß ich ziemlich genau was Computer leisten können und wo die Entwicklung hingeht.  Ebenso, was im Bereich Science Fiction technisch gesehen einigermaßen realistisch ist, was geht und was nicht. Viele meiner Inspirationen und Ideen kommen deshalb aus der Hochtechnologie. Aber in der Regel sind die technischer Art. Die Inspirationen für die Handlungen kommen woanders her. Irgendwo aus dem Unterbewusstsein. Da tauchen ständig Ideen und Handlungsfetzen auf, die irgendwo untergebracht werden möchten.

Ein Problem ist natürlich Zeit zum Schreiben zu finden. Tagsüber komme ich aufgrund meiner Arbeit nicht dazu. Deshalb habe ich mir angewöhnt jeden Abend eine Seite zu schreiben oder  zumindest eine Stunde an meinem Buch Überarbeitungen und Korrekturen zu machen. Dazu kommt noch Zeit, die ich für die Pflege meiner Präsenz in den sozialen Medien brauche. Das funktioniert ganz gut. Natürlich könnte es mehr sein aber, wenn man es konsequent durchhält, kommt man auch ans Ziel.

 

Wann ist deine Leidenschaft für SciFi erwacht?

Der Auslöser war Raumpatrouille Orion. Da gibt es keine Zweifel.

 

Und wann kam die Idee, selbst in diesem Genre zu schreiben?

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Das weiß ich nicht mehr genau. Die Idee irgendwann mal ein Buch zu schreiben hege ich auf jeden Fall schon lange. Nur hat mir der entscheidende Anstoß gefehlt. Es gab so vage die Idee mit dem Schreiben zu beginnen, wenn ich in Rente gehe.

 

Gab es jemanden, der dich zur Veröffentlichung animiert hat?

Ganz eindeutig. Ich habe Thomas Hoffmann auf einer Veranstaltung kennengelernt, bei der er einen Vortrag über eBooks gehalten hat. Damals hatte noch kaum jemand einen eBook Reader. Aber ich hatte einen. Den Nook von Barnes&Noble. Den hatte ich extra aus USA importiert, da es ihn in Deutschland nicht zu kaufen gab.

So sind wir ins Gespräch gekommen. Ich habe ihm von meiner Idee irgendwann ein Buch schreiben zu wollen erzählt und Thomas  hat mich beim Wort genommen und mich aufgefordert ihm mal einen Probetext zu schicken. Das habe ich dann gemacht. Er fand ihn für den Anfang ganz gut und gab mir Tipps was ich besser machen kann. So hat alles Angefangen.

Seit dem ist Thomas mein Lektor und eBook Publisher. Er motiviert mich und sorgt dafür, dass ich mich ständig weiterentwickle.

 

Deine Geschichten enthalten auch Fantasy-Elemente. Erzähl doch mal etwas darüber.

Mich faszinieren beide Genres. Fantasy sogar noch mehr als SciFi. Für mich ist Der Herr der Ringe der Benchmark für alle Fantasy. Was mich bei beiden Genres aber schon immer gestört hat ist die Trennung. Fantasy ist praktisch immer Lowtech während SciFi fast immer Hightech ist.

Mich hat es gereizt die beiden Genres zu verbinden. Ob mir das gelungen ist wird sich zeigen. Zumindest glaube ich, dass es das so konsequent durchgezogen wie in meiner Trilogie, noch nicht gibt.

Bei Fantasy übernimmt die Magie die Rolle der Hochtechnologie. Aber eigentlich ist jede Technologie, die nur weit genug fortgeschritten ist, von Magie nicht zu unterscheiden. Übrigens, dieses Zitat von Arthur C. Clarke steht ganz oben auf meinem Blog (www.royofinnigan.de)

Ich stelle mir das ungefähr so vor:

Mit zunehmender Digitalisierung wird die Welt nach und nach virtualisiert. Zunächst kommt der Zwischenschritt über die Augmented Reality bei der virtuelle Dinge in die Realität eingeblendet werden. Später, wenn wir uns daran gewöhnt haben, wird die Realität in die virtuelle Welt eingeblendet.

Wenn wir uns erst an das Leben in der virtuellen Welt gewöhnt haben, brauchen wir keine Realität mehr. Es gibt für jeden eine unendlich große Welt, die genau so ist, wie er sie haben möchte. So stelle ich mir jedenfalls das wahre Paradies vor. Jeder kann alles haben, tun und lassen ohne jemand anderen zu schaden.

Doch bereits mit Augmented Reality hält die Magie Einzug in unser Leben. Plötzlich kann man Dinge sehen und damit hantieren, die nur virtuell vorhanden sind. Zum Beispiel kann ich mit einem virtuellen Ball mit meinen Freunden Ballspielen auch, wenn sie physikalisch ganz woanders sind. Oder eine Katze läuft durch mein Zimmer, die nur ich sehen kann.  Sie reagiert auf mich und kann sich wie eine normale Katze verhalten. Oder ganz anders, je nachdem wie der Katzenavatar programmiert wurde.

Wenn das erst einmal eingeführt ist, wird sich keiner mehr wundern, wenn wir uns mit Tieren unterhalten. So wie wir uns heute nicht mehr wundern, wenn man sich mit jemanden unterhält, der nicht zu sehen ist. Früher nannte man sowas Schizophrenie. Heute nennt man es telefonieren. J

 

Was hältst du momentan für die spannendste Entwicklung – was ist deine liebste „Wissenschafts-Fiktion“?

Das ist für mich gar nicht so leicht zu beantworten. Es gibt so viele Dinge, die im Moment abgehen. Allein im Bereich der Neurologie passiert so viel, was bis vor kurzem unvorstellbar war. Zum Beispiel sind wir mittlerweile tatsächlich in der Lage Gedanken zu lesen. Auch können wir umgekehrt das Gehirn gezielt so manipulieren, dass eine ganz bestimmte Bewegung ausgelöst wird. Wir können Erinnerungen einpflanzen oder löschen. Wir können allein mit unseren Gedanken Maschinen steuern.

Oder wir können Kürze Designerkinder ganz nach unseren Wünschen generieren. Selbstfahrende Autos sind serienreif und mit 3-D Druckern kann sich jeder einen Prototyp oder ein Ersatzteil selbst zu Hause ausdrucken.

Vielleicht am spannendsten finde ich die Digitalisierung der Welt. Nur um eine Vorstellung zu geben. Bereits heute werden pro Jahr 4 Milliarden RFID Etiketten (Funketiketten) produziert und an Waren und Gegenständen aller Art angebracht. Damit sind sie digital erfasst und können über das Internet jederzeit an jedem Ort aufgespürt und identifiziert werden.
Man kann es auch so ausdrücken. Die Welt wird mit einer Geschwindigkeit von 4 Milliarden RFID Etiketten digitalisiert. Gemessen an der Gesamtzahl aller Gegenstände weltweit ist das lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein aber der Forecast für den zukünftigen Bedarf geht steil nach oben.

Dazu kommt, dass sich die verfügbare Rechenleistung und Speicherkapazität alle 2 Jahre verdoppeln. Wenn das so weitergeht sind Computer 2040 so „schlau“ wie Menschen. Genauer gesagt können sie im Vergleich zu einem Menschen gleichwertige Ergebnisse errechnen. Wenn wir nicht aufpassen nehmen uns die Roboter in wenigen Jahren die Arbeit weg. Zumindest die einfachen Routinearbeiten. So wie beim selbstfahrenden Auto ist es nicht eine Frage ob das technisch geht, sondern ob wir das zulassen.

Ich persönlich habe eher eine dystopische Zukunftsvision, da alles gemacht wird, was irgendwie möglich ist. Angefangen bei der Gentechnik über die Totalüberwachung und Digital- bzw. Technologiepaternalismus. Das kann nur ins Dystopische führen.

Manchmal, wenn ich einen guten Tag habe, versuche ich mich als Optimist und male mir eine utopische Zukunftsvision aus. Dann hoffe ich, dass es nicht ganz so schlimm kommen wird. Als einen möglichen Ausweg sehe ich die Synergie zwischen Menschen und Computern. Technisch gesehen ist das gar nicht so weit hergeholt. Im Prinzip haben wir das jetzt schon. Wer kommt heutzutage noch ohne PC oder Smartphone aus?

Woran es heute noch hapert ist die Schnittstelle. Um die beiden Geräte bedienen zu können braucht man immer noch eine Tastatur (oder zumindest einen Touchscreen) und einen Bildschirm.

Weder die Tastatur noch den Bildschirm hat man immer in der richtigen Größe zur Hand. Mit Augmented Reality verschwinden diese Probleme. Die Welt wird zum Bildschirm in jeder beliebigen Größe, immer und überall dabei. Eine Virtuelle Tastatur kann man auf jede Oberfläche projizieren.

Wenn dann noch leistungsfähige Sprach- und Gestenerkennung hinzukommen, haben wir bereits eine Schnittstelle zwischen Mensch und Computer bei der die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verwischen. Was wir damit machen, ob wir das zu unserem Vor- oder Nachteil ausnutzen ist eine andere Geschichte. Aber das war es schon immer. Jede Technologie ist zweischneidig. Das gilt für das Feuer, Pfeil und Bogen oder die Atomkraft gleichermaßen.

Für die perfekte Symbiose gibt es dann irgendwann das direkte Gehirn-Computer Interface für jeden. Spätestens dann stellt sich die Frage warum man sich mit einem gebrechlichen Körper noch herumplagen will.

 

Woran schreibst du gerade?

Ich versuche mir vorzustellen, wie die Welt in ein paar Jahren aussieht und sich dann weiterentwickelt.

Ich schreibe an einer Trilogie. Band 1 und 2 sind fertig, müssen aber gründlich überarbeitet werden. Unter anderem weil mich die Technologie zu schnell eingeholt hat! Manche Dinge sind schneller Realität geworden als selbst ich mir vorstellen konnten. Gerade im Bereich der Augmented Reality.

Obwohl ich schon über 4 Jahre daran schreibe habe ich immer noch nur einen vorläufigen Titel: „Nanobots“. Hier warte ich immer noch auf meine Muse …

Im Band 1 geht es um Menschen, die von der technologischen Entwicklung regelrecht überrollt werden. Und das, obwohl sie selbst daran wesentlichen Anteil haben. Ich habe mir überlegt was passiert mit den Menschen, wenn die Welt rasend schnell digitalisiert wird? Wenn sie plötzlich merken, dass auch sie selbst digitalisiert werden.

Für manche ist es das Paradies. Sie profitieren davon und stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Manche arrangieren sich damit. So, wie sie sich mit allen Veränderungen arrangieren. Sie finden Mittel und Wege das System zu täuschen und mehr oder weniger Privatsphäre für sich zu schaffen. Je nachdem, wie viel sie sich leisten können.

Und für manche ist es unerträglich. Sie sind die Verlierer. Das System ist ihnen gegenüber kalt und unerbittlich. Folglich rebellieren sie. In Zeiten der vollständigen Digitalisierung findet die Schlacht hauptsächlich im Internet statt. Wer das Internet kontrolliert, kontrolliert die Welt und die Menschen. Die Frage ist, wer wird sich durchsetzen?

Die Profiteure der Digitalisierung sind von dem Angriff überrascht und deutlich im Nachteil. Sie tun sich zusammen und versuchen das Internet zu verteidigen. Ihr Gegner scheint übermächtig. Wird es ihnen trotzdem gelingen oder werden ihre Feinde das Internet in ihre Gewalt bekommen?

Über allem schwebt die offene Frage. Was ist besser für die Menschheit?

Natürlich ist nicht alles so einfach. Vor allem, als plötzlich eine dritte, bis dahin unbekannte Macht auftritt und das Internet ebenso für sich beansprucht geraten die Dinge außer Kontrolle.

 

Findest du Zeit zum Lesen? Wenn ja, welche Autoren bevorzugst du?

Ich komme kaum noch zum Lesen. Meine Lieblingsautoren sind Douglas Adams und J. R. R. Tolkien. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer SciFi und Fantasy Autoren von denen ich jederzeit ein Buch kaufen würde. Die alle zu nennen würde aber eine recht lange Liste werden.

Zuletzt habe ich „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, „Tribute von Panem“ sowie „Game of Thrones“ gelesen.

Aktuell lese ich die „Silent Sea“ Trilogie von Christiane Weller und Michael Stur.

Vielen Dank, dass wir an deiner Gedanken teilhaben können!