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Inca Vogt – Thriller

Inca arbeitete lange als Werbetexterin (das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von uns beiden) und packt mit ihrem Debütroman ein schwieriges Thema an.

Liebe Inca, Du hast auch als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen. Denkst Du, Dein Weg zur Autorin war schon vorgezeichnet?

Ah, du hast auf meiner Seite gestöbert☺.

Dann weißt du ja, dass ich jahrelang als Werbetexterin tätig war. Das stimmt zwar, aber ich ging ständig fremd. Ich verfasste eine ganze Reihe von Hörspielen, konzipierte und textete etliche Magazine und Ratgeber und unterhaltsame Guides – zum Beispiel einen Flirtratgeber. Nichts von alledem erwähne ich in meiner Vita weil es sich um Auftragsarbeiten handelte. Ich war ein käufliches Schreib-Chamäleon, das ganz gut funktionierte:-). Aber ich hatte wie viele von uns diesen Traum. Irgendwann wollte ich nur noch über Themen schreiben, die mich fesseln, aufwühlen und berühren. Und irgendwann wurde daraus ein ‚JETZT oder nie’.

 

Als Werbetexterin hast Du auch täglich mit Worten zu tun. War das hilfreich bei Deinem Debütroman?

Zum Teil, ja. Zum Teil musste ich lernen, einer anderen Sprachmelodie zu folgen.

Während Werbetexte sofort auf dem Punkt sein müssen, knackig sein müssen, ohne Umwege locken müssen – wie Sex ohne Vorspiel – ist beim Roman das Vorspiel die eigentliche Verlockung. Die Sprachmelodie unterscheidet sich krass. Nur kurze Akkorde, wie man sie idealerweise für knappe Werbetexte nutzt, stoppen den Lesefluss. Ideal ist eine gekonnte Kombination aus Beidem.

 

Was fällt Dir am literarischen Schreiben am leichtesten? Was eher schwer?

Komischerweise fällt mir der Anfang am leichtesten. Ich habe ständig neue Ideen, und demzufolge Schubladen voll mit angefangenen Büchern. Meist ein oder zwei gut formulierte Anfänge, einen knackigen Plot und oft auch ein solches Ende.

Den langen Atem dazwischen zu behalten, ohne mich zu verzetteln, fällt mir nach wie vor schwer. Ich rette mich und anstehende neue Projekte, indem ich die Ideenflut durchaus zulasse, sie aber nach dem Aufschreiben wegpacke.

Das Gleiche passiert auf der Schreibreise, ich habe schlicht stets zu viele mögliche Entwicklungen vor Augen. Da hilft nur, rausschreiben, weitermachen, es laufen lassen – und erst mit etwas Abstand die bestmöglichen Kapitel, Absätze, Entwicklungen herausarbeiten. Erst wenn alles angerissen ist, wenn die Spannungspunkte und Wendungen fixiert sind, rollt es sehr gut. Nach etwa einem Drittel. Bis dahin muss ich mich extrem disziplinieren, sonst tanzen mir meine eigenwilligen Figuren auf der Nase herum.

 

In „Gebrannte Kinder“ packst Du ein heikles Thema an. Wie kam es dazu?

Die kurze Antwort ist, ich war unglaublich wütend und angefüttert mit immer neuen Schlagzeilen über Kindesmissbrauch.

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Gebrannte Kinder: Psychothriller,Inca Vogt, SP

Aber es dauerte bis daraus ein Buch entstand. Ursprünglich wollte ich die Geschichte von drei Jungen erzählen, die schicksalhaft miteinander verbunden sind. Symbolhaft umgesetzt im Unendlichkeitszeichen.

Mein Arbeitstitel war „Brandzeichen“, abgeleitet von dem Prolog im Buch, der viel umfangreicher war und inzwischen innerhalb des Buches weiter erzählt wird.

Zeitgleich konnte ich weder weghören noch wegsehen, wenn in den Nachrichten ein weiterer Fall von Kindesmissbrauch auftauchte. Mich ärgerte, dass mehr über die Täter als über die Opfer geredet wurde. Und ich fragte mich, was das wohl in den Kinderseelen anrichtete. Wut, Hilflosigkeit, sich unwert fühlen? Selbst zum Täter werden? Sich wehren? Anderen Kindern helfen? Totschweigen? Vergessen? Verdrängen?

Die Geschichte nahm ihren Lauf, irgendwann hatte ich 500 Normseiten und schrieb immer noch weiter. Mit einem stolzen Ergebnis von weit über 800 Seiten, die dann erst einmal reduziert werden mussten.

Die Reduktion auf die heutige Seitenzahl von immerhin noch über 500 war ein Lehrstück für mich, bei dem ich in der Endphase eine Lektorin an der Seite hatte.

 

Wie ist die Resonanz auf Dein Buch?

Anders als gedacht. Ich hatte damit gerechnet, heftig angeschossen zu werden, speziell von den Institutionen die ich in ‚Gebrannte Kinder’ hart an den Pranger stelle. Falls es passiert, dann versteckt.

Die guten Kommentare und Rezensionen überwiegen. Das eBook von ‚Gebrannte Kinder’ ist derzeit zum zweiten Mal Nummer 1 in der Kategorie Psychothriller. Hoffentlich ein Indiz dafür, das der Psychothriller trotz des schwierigen Themas als packende Unterhaltung aufgenommen wird, dass der Funke, der mich angetrieben hat, überspringt. Wenn das der Fall ist, bin ich glücklich. Vor allem die Nachfragen bezüglich des Nachfolgers freuen mich sehr. Er ist in Arbeit. Die ersten Kapitel stehen, die restlichen sind angerissen und ich bin wieder in der spannendsten Schreibphase, in der es mich selbst mitreißt.

 

Hältst Du Kontakt zu Deinen Lesern? Wenn ja, wie?

Über die sozialen Medien. Ich habe einen Blog und eine Autorenseite auf Facebook, bin jederzeit ansprechbar und freue mich auch sehr über direktes Feedback.

 

Was würdest Du angehenden Autoren raten?

Schreiben und Lesen. Beides hemmungsfrei. Nur wer sehr viel liest, kann meines Erachtens auch selbst gut schreiben.

Zum Schreiben gehört auch ein gutes Stück Verrücktheit im Wortsinn. Damit meine ich eine spezielle Sichtweise auf alles. Ausgedrückt in der Frage: „was wäre, wenn?“ Diese bewusst ver-rückte Sichtweise auf alles, muss man zulassen, fördern, immer wieder durchspielen.

Ganz wichtig sind auch persönliche Eigenheiten: Neugierde und Lernbereitschaft. Kritikfähigkeit, nie zufrieden sein mit dem was man bereits geschrieben hat, nie aufhören, besser werden zu wollen. Nie ausruhen auf Lorbeeren und nie, nie, nie die Nase hoch tragen. Sondern zuhören, wenn kritisiert wird. Überarbeiten, laut lesen, auf anderen Medien lesen, nochmal drüber gehen, ruhen lassen vor der letzten Überarbeitung und dann nochmal das Ganze von vorne.

 

Und welches Buch hast Du zuletzt gelesen?

Darf ich auch drei nennen? ‚Als Träume fliegen lernten’ von meiner Autorenkollegin Heike Fröhling, eine wundervoll geschriebene, packende Familiensaga.

Das Tribunal’ von John Katzenbach. Ich liebe alle seine Bücher. Egal über was er schreibt, er fängt mich stets sofort ein.

Aktuell lese ich den Psychothriller ‚Blinder Instinkt’ von Andreas Winkelmann. Harter Stoff, brillant geschrieben.

 

Vielen Dank für Deine Zeit – ich freue mich, das Du hier bist!

Sehr gerne. Ich bedanke mich für deine tollen Fragen, dein Engagement und diesen Platz auf deiner Couch. Schön, dabei zu sein.

 

 

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