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Heike Fröhling – Roman

Heike Fröhling kannte ich schon, bevor sie auf der Autoren-Couch Platz nahm, und auch ihren Blog Auf lose Blätter  hatte ich schon das eine oder andere Mal besucht. Umso mehr freue ich mich, dass Heike nun auch auf der Couch ist! Sie ist eine sogenannte Hybrid-Autorin, das heißt sie veröffentlicht sowohl bei Verlagen, als auch im Selfpublishing. Auch dazu habe ich ihr ein paar Fragen gestellt, aber lest selbst:

Liebe Heike, Du hast ja unter anderem Germanistik studiert. Seit wann begleitet Dich diese Leidenschaft für das geschriebene Wort?
Geschichten ausgedacht habe ich mir schon immer, schon bevor ich schreiben konnte. Für mich war es eine gleichberechtigte Welt, die neben der realen Welt existierte. Sobald ich in der Schule das Schreiben gelernt habe, habe ich angefangen, diese Geschichten zu notieren.

Wann hast Du das erste Buch geschrieben?
Mein erstes „richtiges“ Buch ist 1999 in einem Kleinverlag veröffentlicht worden, alle davor entstandenen Werke sind in meinen Schubladen geblieben und sind auch nie überarbeitet worden. Von daher zähle ich sie nicht mit, denn es ist ein riesiger Unterschied, ob man für sich schreibt oder für ein Publikum. Und der Gedanke an ein Schreiben für ein Publikum kam mir erst mit dieser ersten Veröffentlichung.
Das, was vorher entstanden ist, sind für mich zwar Geschichten, ich würde sie aber nicht als „Buch“ bezeichnen“.

Deine erste Veröffentlichung war in einem Verlag. Welcher Titel war das, und wie bist Du unter Vertrag gekommen?
Die erste Veröffentlichung hieß „Blaues Integral“, es war eine Geschichte über eine unglückliche Liebe, über Malerei und Mathematik, über Leidenschaft, Schwärmerei und die Suche nach sich selbst. Wie alle vorhergehenden Werke ist diese Geschichte eigentlich nur für mich selbst entstanden. 1998, in der Entstehungszeit, habe ich zum ersten Mal eine Autorengruppe besucht und ich weiß noch, wie extrem die Überwindung war, sich überhaupt per Telefon bei der Autorin, die die Gruppe leitete, nach dem Termin des nächsten Treffens zu fragen. Für das Telefonat bin ich in den Keller gegangen, um diese Peinlichkeit des Anrufs meiner Familie zu ersparen ;-).

Sind Sie auch Autorin?“, wurde ich gefragt und musste erst einmal schlucken.
„Ich schreibe“, habe ich geantwortet oder etwas in der Art.
Es waren vielleicht eine Handvoll Treffen, bis ich mein eigenes Werk vorgestellt habe – und in der Gruppe befand sich auch ein Autor, der mit einem ortsansässigen Kleinverlag eine neue literarische Reihe plante. Von daher gab es keine formelle Bewerbung, keine richtige Vorbereitung auf das, was dann passierte: ein paar Monate später war aus einem Manuskript ein Buch geworden.
Und wie ging es dann weiter?
Erst mal tat ich, was „vernünftig“ erschien: Ich studierte, guckte, dass ich einen Abschluss bekam, mit dem ich Geld verdienen konnte. Ich habe an verschiedenen Universitäten studiert, Germanistik und Musikwissenschaft in Bonn, Schulmusik, Germanistik in Kombination mit einigen Psychologie-Vorlesungen in Koblenz. Dort habe ich dann auch den Abschluss gemacht als Realschullehrerin für Musik und Deutsch, denn andere „vernünftige“ Berufe sind auch schwer zu finden mit den Fächern Germanistik und Musikwissenschaft. Doch bald habe ich gemerkt, dass die Vernunft eine Sache ist, die nicht immer tragfähig ist. Mein Herz schlug weiterhin fürs Schreiben und so habe ich auch in jeder freien Minute weiter an meinen Geschichten gearbeitet und nach der ersten Veröffentlichung auch Verlage angeschrieben und weiter in Kleinverlagen veröffentlicht.
Du hast zusätzlich Bücher als Selfpublisherin veröffentlicht. Wie ist es dazu gekommen?
Ich muss gestehen, ich fand Technik, Computer und alle damit verbundenen Möglichkeiten schon immer faszinierend. Veröffentlichen auf digitalem Weg? Zum E-Book bin ich über den Handyroman gekommen, nachdem ich über verschiedene Kanäle für das Handy geschrieben hatte. Doch durch die Leseapps hat sich diese Gattung im Grunde überholt. Wer auf dem Handy lesen will, tut das nicht über den Mailaccount, selten über das PDF-Format oder über SMS-Nachrichten, sondern er installiert eine App und liest ein E-Book.

Im direkten Vergleich – welche Vor- und Nachteile siehst Du jeweils beim Veröffentlichen?
Der Vorteil vom Selfpublishing ist zugleich auch der Nachteil: Man ist frei und kann entscheiden und tun, was auch immer man möchte. Aber auch wenn es mal klemmt, sollte es einmal nicht so gut laufen, muss man selbst entscheiden, was man tut. Die Hilfe bei den Verlagen mit Lektorat / Korrektor / Cover / Satz / Vertrieb / Marketing kann sowohl Einschränkung als auch eine Riesenunterstützung sein.
Du schreibst in verschiedenen Genres und auch unter Pseudonym. Manche Autoren befürchten, durch ein Pseudonym Stammleser zu „verlieren“. Wie ist Deine Erfahrung?
Bei mir gibt es kaum Überschneidungen in der Leserschaft, das merke ich auch, welche Blogs welche Bücher von mir besprechen. Dort, wo man die Thriller findet, wird man zumeist die Sagas / Liebesromane vergeblich suchen. So ist es mehr eine Orientierung für die Leser, dass sie sicher sein können, in welche Richtung das Buch geht. Hinzu kommt, dass mein Pseudonym offen ist und es sowieso jeder weiß ;-). Meine Erfahrungen sind von daher auf Pseudonyme bezogen positiv.

Wie hat sich, nach Deiner Beobachtung, der Buchmarkt in den letzten Jahren verändert?

Die Entwicklung geht mehr zum E-Book, weg vom gedruckten Buch, die Autoren werden auch von Verlagen mehr ins Marketing einbezogen, was früher allein eine Sache der Verlage war. Insgesamt ist die Mitbestimmung der Autoren größer, was bei den meisten auch positiv angenommen wird. Andererseits wird es auch immer schwerer zu sagen „Ich schreibe und Ende“.
Was würdest Du angehenden Autoren raten?
Ich bin froh, dass ich den Einstieg in den Literaturbetrieb von dem Geschichtenerzählen aus nehmen konnte. Für mich gab es anfangs nur die Geschichte und nichts anderes. Viele technische Möglichkeiten gab es noch nicht, der Weg über die Verlage ging auch zumeist vom Autor aus, da auch Agenturen noch kaum präsent waren in der Zeit, als ich angefangen hatte. Heute sieht man eine Riesenfülle von Möglichkeiten, man vergleicht Amazon mit Distributoren, vergleicht Tantiemen, beschäftigt sich mit Social Media. Wo man früher mühsam nach Kontakten suchen musste, ist es heute eher das Problem, die Kontakte zu sortieren. Aber bei alledem rufe ich mir selbst immer wieder in Erinnerung (und vergesse es zwischendurch immer wieder fast), was ich auch angehenden Autoren raten würde: Am Anfang steht die Geschichte. Alles andere ist sekundär. Nimm Dich, Deine Interessen und Deine Geschichten, die Du schreiben willst, bleibe dabei und kehre immer wieder dorthin zurück, sonst ist die Gefahr groß, dass Du Dich verlierst.

Welches ist Dein aktuelles Buch? Magst Du etwas darüber erzählen?

Zur Zeit schreibe ich einen Roman über Island, eine Liebesgeschichte über mehrere Generationen, die mit einer Vergangenheit zu kämpfen hat, die kaum bekannt ist (und einem wahren historischen Hintergrund entspricht): Im April 1946 suchte die isländische Regierung per Zeitungsanzeige in den „Lübecker Nachrichten“ junge deutsche Frauen, die bereit waren, sich als Landhelferin nach Island zu verpflichten. Rund 300 Frauen folgten dem Ruf in der Hoffnung, sich mit dem dort verdienten Geld später eine Zukunft in der Heimat aufbauen zu können. Die meisten von ihnen ahnten nicht, was der wahre Zweck der Anwerbeaktion war. Die Einwanderinnen sollten den massiven Frauenmangel auf den abgelegenen Höfen auffüllen und einheimische Bauern heiraten …

Vielen Dank für Deine Zeit, liebe Heike – ich freue mich, das Du auf der Autoren-Couch bist!

Heikes Bücher findet ihr übrigens hier –Bücher direkt von der Couch!