Schlagwort-Archive: Limara Heymdai

LIMARÅ HÈYMDAI

Copyright des Autorenbild: Katrin Weiland

 

limaraLiebe Limarå, auf der Buchmesse Leipzig bin ich ja gleich über deinen Slogan: Fantasy für Erwachsene gestolpert. Magst du das mal erklären?

Als es um die Präsentation und den Slogan für die Messe ging, habe ich im Verlag den Vorschlag gemacht, Fantasy für Intelligente zu benutzen. Das wurde aber aus Gründen der Diskriminierung nicht weiter verfolgt. (lach) Und es ist ja im Grunde auch besser so, denn Fantasy für Erwachsene assoziiert zurecht einen markanten Punkt, und zwar den der Erotik und Sexualität. Während der ersten drei Teile ist das noch nicht so auffällig, aber ab Tag 4 – Sternentor – wird es dann offenkundig, dass man es mit keiner keuschen Teen-Romantik und schon gar nicht mit diesem Sex-erst-nach-der-Ehe-Twilligt-Murks zu tun hat, wie er in der Fantasy ja derzeit populär ist. Der Slogan dient somit auch dazu, 2044 klar von der Teen- und Romantikfantasy abzugrenzen. Ich betrachte Sexualität und die Beziehungen von Männern und Frauen unter anderen Gesichtspunkten, und diese versuche ich auf eine Weise auszuformulieren, die direkt ist, ohne ins Pornografische abzukippen. Tatsächlich bin ich ganz schön abgegessen durch die Art von Permanent-Herzschmerz-Drama-Stories, weil meines Erachtens nach jungen Frauen damit ein sonderbares Bild von Weiblichkeit und Frausein vermittelt wird; eines, das womöglich den Männern zu pass kommt, aber überhaupt nichts zu einem gesunden, friedensstiftenden Miteinader beiträgt.

Da kannst Du Dir meiner vollen Zustimmung gewiss sein. 

Viele Leserinnen finden es sehr berührend, dass ich über mein Art der Beschreibung Beziehung und Sexualität in ein Licht rücke, dass ihrer Natur entspricht. Sie ist ein wesentlicher und sehr vielschichtiger Bestandteil unserer tagtäglichen Existenz, und steht daher auch gleichwertig neben anderen Aspekten, die 2044 maßgeblich ausmachen.

Abgesehen davon wird mit ‚Fantasy für Erwachsene‘ jedoch auch angedeutet, dass 2044 keine gradlinige Schwarz-Weiß-Story ist, wie sie uns regulär von Hollywood und den anderen großen Medien- und Meinungsmachern aufgetischt wird – Gut, Böse, Haudrauf, Lovestory, Happy End.

Der Verlag nennt es eine wild-sinnliche Wanderung durch die unterschiedlichen und faszinierenden Aspekte der Wirklichkeit und des Mensch- und Nichtmenschseins. Eine Geschichte, die zum Nachdenken und vielleicht Diskutieren anregen soll, ohne dabei eine blanke Moralpredigt oder philosophische Abhandlung zu sein. Aufgrund des Feedbacks unserer Leser ist neuerdings auch der Begriff Fantasy-Thriller aufgekommen, der es auch recht gut trifft, da die Geschichte einen nicht absehbaren Spannungsbogen hat, der die meisten stark packt.

Manchmal erstaunt mich das sehr, denn ich schreibe überhaupt nicht nach Schema, ich bin eine völlige Autodidaktin und folge ausschließlich meiner Intuition und den Eingaben durch meine Figuren, von denen einige mittlerweile ein sehr reges Eigenleben entwickelt haben, was für mich als Autorin enorm spannend ist, da sie neuerdings sogar beginnen, sich meinen Plotvorstellungen zu widersetzen. (lach) Deswegen wandert die Handlung auf recht eigenwilligen Pfaden und wechselt sogar zuweilen die Perspektive. Dadurch wird der gewohnte Rahmen einer Erzählung überschritten und man muss plötzlich mitdenken, da man mit zwei sehr konträren jedoch gleichberechtigten Standpunkten konfrontiert wird. Kritiker sagen, dass es ein Basiskredo beim Schreiben ist, dass man die Perspektive in einer Erzählung nicht wechselt. Ja, gut, was soll ich dazu sagen? Ich kenne die Regeln, jetzt lernen die Regeln mich kennen. (grins)

In meinen Augen gibt es so viele mehr oder minder gute Aufgüsse von ein- und derselben Geschichte, gerade im Fantasybereich, warum also nicht neue Wege gehen? Mit 2044 lässt man sich auf eine Reise der wohl eher unerwarteten Art ein und jeder sollte für sich entscheiden, ob er/sie Lust hat, mir auf die phantastischen Pfade meines Weltbildes zu folgen. Ich freu mich in jedem Fall über alle, die dazu den Mut aufbringen.

2044 (Fantasy- Thriller Buchreihe): 1. Sammelband (Tag 1-3), von ChaWila Verlag (Herausgeber), Limarå Hèymdai (Autor, Illustrator), Marjam Piruzram (Bearbeitung), bei amazon
2044 (Fantasy- Thriller Buchreihe): 1. Sammelband (Tag 1-3), von ChaWila Verlag (Herausgeber), Limarå Hèymdai (Autor, Illustrator), Marjam Piruzram (Bearbeitung), bei amazon

Worum geht es in deinem Buch?

2044 ist wahnsinnig komplex. Der Klappentext kann da unter Umständen etwas Aufklärung verschaffen. Am meisten hilft natürlich Lesen. (Zwinker) Aber um es mit meinen Worten zu beschreiben: Zunächst bekommt man den Eindruck, es ginge um die ach so oft besungene Rettung der Welt, und ein Stück weit stimmt das. Allerdings nimmt 2044 nicht den üblichen Verlauf, den wir von einer Heldenstory gewöhnt sind.

Mizuee, mit der die Handlung beginnt, ist eine junge etwas vermessene Ökoterroristin, im Grunde eine berechnende Killerin und damit eher eine Antiheldin, die mit ihren Hakerfreunden und ihren Waffen die korrupte Elite bei Seite schafft.

Ihre Aktionen und ihre Haltung schaffend den deutlichsten Bezug zu der Zukunft, wie ich sie in dreißig Jahren sehe, sollte alles so weitergehen wie bisher. 2044 spielt in einer Welt, in der sich alles, was wir heute mit Argwohn betrachten, wie Überwachung, Kontrolle und Zweiklassengesellschaft, überzeugend realisiert hat.

Allerdings geht es mir nicht um das Skizzieren einer weiteren Dystopie. Der Zustand der Welt heutzutage ist schlimm, das wissen wir alle, deshalb zeichne mittels anderer Handlungsstränge, wie beispielsweise Makan, Seben Igib und Kaui’i ein alternatives Bild für ein globales Miteinader. Es geht bei den einzelnen Figuren natürlich auch um Dinge wie Freundschaft, Liebe, Loyalität und die enrome Herausforderung, Gewohntes zu hinterfragen und Wege zu gehen, die einem unmöglich erscheinen. Das spiegelt sich vorallem in der komplizierten Beziehung zwischen Jack, dem Agenten und Mizuee, seiner Gegnerin, wider. Die beiden stehen im Grunde für das grundlegende System der Dualität in unserer Welt: zwei Seiten, zwei Meinungen, zwei Gegner, zwei Weltbilder – das sieht man überall.

Ich selbst bin tatsächlich eher ein lösungsorientierter Mensch und in meinen Augen fehlt es an vielen Stellen in der menschlichen Gemeinschaft schlicht an Wissen und Visionen, um etwas zu verändern. Meinen Ansatz zum Miteinander versuche ich in 2044 zu beschreiben und zu vermitteln. Und damit es nicht zu theoretisch wird, kommen diese Ideen mit unglaublich viel Aktion, Magie, wilden Unternehmungen und einem guten Schuss Aliens und fremder geheimnisvoller Kulturen daher. Es soll sich beim Weltretten ja schließlich keiner langweilen 😉

Wie lange hat es gedauert, von der ersten Idee bis zur Fertigstellung deines Buches?

Ich habe mit 13 Jahren begonnen zu schreiben, damals ohne die Absicht, die Geschichte als Roman zu veröffentlichen. Das ist erst viel später dazugekommen, als ich etwa 25 war. Nach der Entscheidung zur Veröffentlichung habe ich etwa anderthalb Jahre an der Fertigstellung des ersten Sammelbandes (Tag 1 bis 3) gearbeitet. Das war ein schrecklich aufregender und unglaublich leerreicher Prozess.

Ich habe Dich als ausgesprochen herzlichen Menschen kennengelernt. Hilft das Schreiben, Dir das zu erhalten?

Ich hoffe doch sehr! (lach) Das ist wirklich ein interessanter Punkt. Gut möglich, dass 2044 einen Teil dazu beiträgt.

Tatsächlich kompensiere ich manche Emotionen wie zB meine Entrüstung und mein Unverständnis mittels einiger Figuren in der Geschichte. Was momentan auf unserem wunderschönen Planeten passiert, geht mir gewaltig gegen den Strich. In meinem Privatleben habe ich die Parameter meines Konsums und meiner Haltung bereits sehr weit verschoben, um mich gewissen ungesunden Strukturen, die unsere Zivilisation hervorgebracht hat, zu entziehen. Aber ich bin nur ein kleiner Tropfen in einem großen Ozean von handelnden Menschen in dieser Welt, und ich kann nicht an die wirklich großen Hebel gelangen. Deshalb versuche ich über meine Figuren, ihr Denken und Handeln, andere Bilder und Informationen zu streuen, die Menschen möglicherweise inspirieren, sich und ihr Handeln kritischer zu betrachten. Ein anderer Punkt ist der, dass ich mein Leben sehr liebe und sehr viel Freude bei dem empfinde, was ich tue. Wenn es Probleme gibt, bin ich neugierig auf die Lösung, und fange an zu forschen. Ist ein Knoten zu fest, lasse ich ihn in Demut los und gehe andere Wege. Das Leben ist so, alles wächst und gedeiht bis zum Punkt, da es stirbt. Ich habe das verinnerlicht, das erspart mir sehr viel Stress. Dein Eindruck von Herzlichkeit rührt vielleicht auch daher, dass ich dem Leben tendenziell mit sehr viel Aufgeschlossenheit entgegentrete.

Was sind dein Pläne?

Ich möchte gerne Familie gründen. Das ist ein großes Projekt. Im Herbst ziehe ich von Berlin nach München, auf einen Biobauernhof am Standrand, das ist ein großer Schritt für mich, nach 25 Jahren stinke-blinke Hauptstadt.

Auf jeden Fall wird es mit 2044 weitergehen. Sammelband 2 (Tag 4 und 5) ist Juni 2015 erschienen, und die Fortsetzung sucht derzeit noch nach einem neuen Lektor. Sie ist bereits fertig geschrieben, muss jetzt aber noch überarbeitet werden. Das Schreiben ist Teil meines Lebens und ich gehe nicht davon aus, dass mich das Oktoberfest, drei schreiende Kinder oder gar ein Mann davon werden abhalten können. (grins)

Was liebst du, außer dem Schreiben, noch besonders?

Alphabetisch?

Ja bitte, so drei bis fünf Sachen?

Die nummerologische Reihenfolge entspricht nicht der Wichtigkeit, diese variiert je nach Tagesform. 😉
Ich liebe außer dem Schreiben …
1. … diesen wundervollen Planeten
2. … meine Familie
3. … Kuschelsex & Schlafen in der Hängematte
4. … mich neu erfinden und dazulernen
5. … die Sea Shepherd
6. … Bio-Rindersteak auf Blattsalat

7. … neugierige Menschen!

Was hast du zuletzt gelesen?

Puh, das ist der Fragen, vor der ich mich am meisten fürchte. Ich komme seit einer Weile bedauerlicherweise kaum mehr zum Lesen. Ich bin deshalb auf Hörbücher umgestiegen. Da habe ich als letztes die Vertonung von Tad Williams Drachenbeinthron genossen.

Was sollten wir, die Menschheit, tun?

Boah Ela, wie viele Seiten soll denn dieses Interview umfassen? Willst du deinen Server plätten?! (lol)

Also ich beschränk mich mal in guter magischer Tradition auf drei Dinge

1) 2044 lesen

2) Konsumverhalten konsequent verändern – weg vom Mainstream, weg von der industriellen Massenware – zurück in die lokalen Kreisläufe, weniger ist mehr! 🙂

3) Lieb haben statt Recht haben!

Dein Wunsch ans Universum ist heute:

Großes, namenloses, unerklärliches Geheimnis, ӑRå, bitte mach, dass die Sonne morgen im Westen aufgeht und dass auf dem Alexanderplatz unübersehbar ein riesiges, blinkendes UFO mit intelligenten, friedliebenden, gutaussehenden Alien-Kerlen landet. Danke!

Ende

Danke für das großartige Interview, Peace!