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Der Selfpublisher Papst – Matthias Matting

Wer sich mit Selfpublishing beschäftigt, kommt an Matthias Matting nicht vorbei. Es gibt wohl niemanden, der so viel über dieses Thema weiß und seine Informationen so freimütig teilt. Nicht nur die Selfpublisherbibel ist ein Magnet für angehende und praktizierende Autoren, auch die Selfpublishing-Akademie und das Selfpublisher-Forum sind wichtige Adressen im Netz.

„Nebenbei“ arbeitet Matthias, der erst Physik und dann Journalismus studierte, als Redakteur und hat über 50 Bücher veröffentlicht. Einen Hinweis darauf, wie er so produktiv sein kann, bekam ich schon, als ich ihm meine Fragen für das Interview schickte: Keine Stunde später waren die Antworten in meinem E-Mail Postfach. Daran will auch ich selbst mir gern ein Beispiel nehmen. Ich freue mich sehr, dass der „Selfpblisher-Papst“ auf der Autoren-Couch Platz genommen hat; hier nun seine Antworten auf meine Fragen:

Ich muss gestehen, dass du für mich ein Vorbild bist. Ich bin ja schon ein
Workaholic, aber an deine Produktivität reiche ich noch nicht heran. Magst
du mir und uns mal verraten, wie du deinen Alltag strukturierst?

Eigentlich ganz einfach: von 7:30 Uhr bis 19:00 Uhr arbeite ich in der
Regel – danach und am Wochenende (meist) nicht. Die vorhandene Zeit
teile ich dann je nach Termindruck auf die verschiedenen Projekte auf.

Wer Informationen zum Thema Selfpublishing sucht, stolpert meist recht
schnell über deine Seiten. Kannst du deine liebsten Projekte kurz
vorstellen?

Die Seite, um die sich alles dreht, ist die Selfpublisherbibel. Und
wann immer mir etwas in diesem Zusammenhang einfällt, setze ich es um.
Oft kommt das aus eigenem Bedarf, ich bin ja selbst Selfpublisher. Der
Selfpublishing-Markt.de hilft mir zum Beispiel bei der Suche nach
Dienstleistern, bei Cover-Bewerten.de kann ich mir Cover-Anregungen
holen, die Selfpublishing-Akademie.de sammelt Kurse und Tools für
Selfpublisher, eBook-Rabatte.de macht auf Rabattaktionen aufmerksam,
e-books-unlimited.de auf neue Titel in KindleUnlimited.

Dein bekanntestes Projekt ist die Selfpublisher-Bibel. Was ich besonders
spannend finde: Eigentlich hattest du das als Buch geplant, aber die
Crowdfunding-Kampagne hatte nicht den gewünschten Erfolg. Ehrlich gesagt,
mich hätte dieser Rückschlag deprimiert, vielleicht hätte ich aufgegeben.
Hast du Zweifel an deinem Projekt gehabt?

Zweifel eigentlich nicht, denn es war ja völlig klar, dass es in der
beabsichtigten Form gescheitert war, da war gar kein Platz für
Zweifel. Aber dass es an Informationen über das Thema Selfpublishing
fehlt, das war auch klar. Also habe ich es eben mit einer anderen Form
(Blog statt Buch) probiert. Und in dieser Form war es dann
erfolgreich.
So ähnlich war es übrigens auch mit der Selfpublishing-Akademie.de.
Diese war zunächst als Plattform mit eigenen Kursen geplant. Sie wurde
aber so nicht angenommen. Also habe ich als neue Plattform Udemy
gewählt. Die alte Selfpublishing-Akademie.de listet nun wie ein
Katalog alle möglichen Weiterbildungs-Angebote, auch aus dritter Hand.
Oder nehmen wir mein Sachbuch „Schöner Sterben – Kleine Mordkunde für
Krimifans“. Das war zunächst die Recherche für einen Krimi – verkauft
sich aber längst besser als dieser Krimi. Weil: Krimis gibt es sehr
viele – verständliche Sachbücher über Gerichtsmedizin aber nicht.
Der Tipp ist also: wenn ein Projekt scheitert, muss nicht die Idee
schlecht sein, vielleicht war es nur nicht die passende Form.

Du hast einen umfangreichen Udemy-Kurs zum Thema Selfpublishing online
gestellt, den ich voller Überzeugung empfehle (klickt mal hier). Was können Autoren in diesem Online-Kurs lernen?

Der Kurs ist so angelegt, dass man als Autorin oder Autor einerseits
eine komplette Einführung in das Thema Selfpublishing bekommt – in
allen Aspekten, etwa wie bei den Wochenend-Seminaren, die ich gebe.
Andererseits stellt der Kurs aber auch ein Nachschlagewerk dar.
Manches ist ja nicht sofort relevant, aber ich kann sicher sein, dass
ich dann bei Bedarf die passende Anleitung parat habe.

Du hast so viele Titel herausgebracht, meistens Sachbücher, aber auch
Belletristik. Macht dir beides gleich viel Spaß?

Ja, aber auf unterschiedliche Weise. Bei Sachbüchern ist die Recherche
spannend, das Schreiben ist da Handwerk. Bei Belletristik ist es
umgekehrt.

Kommst du eigentlich selbst zum Lesen?

Abends und am Wochende, ja 🙂

Welches Buch liest du gerade?

Die Analphabetin, die rechnen konnte. Bin aber ein bisschen
enttäuscht, der Vorgänger war weitaus besser.

Was ist dein nächstes Projekt?

Ich bereite gerade einen umfangreichen Kurs zum Thema eBook-Marketing
vor. (Update: Der Kurs ist nun fertig und online)Außerdem schreibe ich an einem Roman, sehr traurig, ein bisschen
fantastisch, ich hoffe sehr, dass er gut wird. Ende August werde ich
„Ende“ darunter setzen können.

Vor welchen Anfänger-Fehlern beim Schreiben und Veröffentlichen würdest du
besonders warnen?

Zu hohe Erwartungen! Es passiert sehr selten, dass man mit dem ersten
Buch erfolgreich wird. Ein Autor braucht vor allem Geduld und
Disziplin. Und sollte unbedingt darauf achten, dass der Leser immer
ein professionelles Produkt erwartet, auch von einem unbekannten
Namen.

Wie schätzt du die Zukunft des Selfpublishings ein? Manche Autoren  befürchten ja, durch die regelrechte Schwemme an Büchern auf Dauer benachteiligt zu sein, weil sich nicht nur die Qualität stark unterscheidet, sondern auch die Sichtbarkeit leidet. Hast du ähnliche Befürchtungen?

Die Lage war für Autorinnen und Autoren noch nie so gut wie heute! Das
gilt gerade auf dem deutschen Markt, wo Selfpublisher wirklich von
allen Seiten umworben werden. Diese Schwemme sehe ich gar nicht. Der
eBook-Markt wächst stärker als das Angebot.

Und die Rolle der Verlage?

Die klugen Verlage sehen sich als Dienstleister der Autoren. Sie
können manches, was man als Selfpublisher nicht kann. Außerdem ist ja
auch nicht jeder gute Autor auch ein guter Verleger. In Zukunft wird
es normal sein, je nach Projekt Selfpublishing oder Verlage zu nutzen.

Du bist Vorsitzender des Selfpublisher-Verbandes. Magst du dessen Arbeit
kurz vorstellen? Warum sollten Autoren diesem Verband beitreten?

Der Selfpublisher-Verband.de hat es sich zum Ziel gesetzt, zum einen
die Stellung der Selfpublisher in der Branche zu verbessern – da gibt
es noch einiges zu tun, z.B. Zugang zum Buchhandel, zu bestimmten
Plattformen, zu Messen und so weiter. Zum anderen ist die
Professionalisierung der Selfpublisher unser Ziel, etwa durch
Weiterbildung. Und dann hat der Beitritt natürlich auch noch
praktische Vorteile, wie etwa den Zugriff auf unseren
Verbands-Justiziar.

Schöne Grüße
Matthias
Lieber Matthias, vielen Dank für deine Zeit und die vielen wertvollen Tipps,
die du regelmäßig veröffentlichst.

Auf der Seite „Couch-Bücher“ findest du eine winzige Auswahl von Matthias´ Büchern – wer mehr von ihm lesen will, besucht einfach seine Seite bei amazon.