Schlagwort-Archive: Uwe Janning

Uwe Janning – Roman

Uwe Janning war Unternehmensberater und begann zu schreiben. In seinem Roman geht es um einen ehemaligen Unternehmensberater, der Schriftsteller werden will. Ähnlichkeiten sind keineswegs zufällig! Wer sich beim Lesen gern amüsiert, wird seine Freunde an Uwes Roman haben. Auch bei meinen Fragen habe ich mich vom Ton des Buches inspirieren lassen – aber Uwe war überraschend ernst bei seinen Antworten. Lernt ihn kennen!

 

Lieber Uwe, schön dass du hier bist. Mir fällt auf, dass du recht gierig mit dem Kaffee bist, wie geht es denn Beckmann, deiner Kaffeemaschine?

Ich gehöre zu den Menschen, die erst nach einer Tasse Kaffee in den Tag finden. Leider gehört auch eine Zigarette dazu. Aber immerhin sorgt beides dafür, dass ich mich auch morgens wie ein friedliches Mitglied der Spezies homo sapiens verhalte und keinen meiner Artgenossen – auch nicht meine Frau – beiße. Im Gegensatz zu meinem Protagonisten Fabian besitze ich allerdings keinen Kaffeevollautomaten für zweitausend Euro; ich benutze eine Bodum für zwanzig Euro. Mir persönlich ist es vollkommen egal, womit jemand seinen Kaffee zubereitet. Fabian hat allerdings ein Problem mit Statussymbolen. Alles, was schön, teuer und im Grunde überflüssig ist (kurz: Luxus), ist ihm von Herzen unsympathisch. Er spricht von Konsumsklavenmentalität und dem Schafsherdencharakter der breiten Masse, worin sicher eine Spur Wahrheit zu finden ist, doch seine tatsächliche Motivation ist schlicht und ergreifend: Neid! Er könnte sich ein solches Ungetüm niemals leisten, also findet er Gründe, es zu verachten. Er nennt das chromblitzende Ding Reinhold Beckmann, denn in seinen Augen haben die beiden viele Gemeinsamkeiten: Eitel, aufgeblasen, arrogant und im Grunde vollkommen überflüssig. In diesem Punkt teile übrigens Fabians Meinung in vollem Umfang; ich kann Herrn Beckmann auch nicht leiden.

 

Erzähl doch mal etwas über dein Buch.

Fabiansuppe
Die Fabiansuppe, Uwe Janning, SP, bei amazon

 

Im Kern geht es um Erfolglosigkeit, die zu Selbstzweifeln führt und schließlich in Arroganz und Borniertheit umschlägt. Ein stark verbreitetes Phänomen, das nicht nur, aber verstärkt bei Künstlern auftritt. Steht ein Künstler/Schriftsteller zu seinem Werk und es setzt sich trotz Kritik von Seiten der Fachwelt durch, wird er als Visionär mit Stehvermögen gefeiert. Scheitert er, bekommt er ungefragt und völlig kostenlos zu Hauf den Spruch „Ich habs Dir doch gesagt, das funktioniert so nicht“ um die Ohren gehauen. Lohnt es sich also starrköpfig zu sein? Die Antwort auf diese Frage ist „Jein“. Fabian ist sich dessen sehr wohl bewusst; ein Dilemma. Er will Humor mit Anspruch produzieren, aber was ist das eigentlich, Anspruch? Ihn beschleicht der Verdacht, dass er Anspruch durch die Wahl seiner Themen nur vortäuscht. Er nimmt beispielsweise die hohe Kunst, das Fernsehprogramm, Günter Grass oder Dan Brown aufs Korn, doch ein Thema an sich kann nicht anspruchsvoll sein, nur der Umgang damit. Er will mit einfachen Mitteln große Wahrheiten vermitteln. Wie sagte schon Schopenhauer? „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge“ und Loriot hat es geschafft, mit Hilfe einer Nudel Humor zu produzieren, der bis heute keinen Staub angesetzt hat. Hier liegt Fabians Messlatte und er hat fürchterliche Angst, dass er einfach nicht gut genug ist. Das gibt er aber nur in schwachen Stunden sich selbst gegenüber zu. Schwache Stunden hat er allerdings viele im Laufe des Romans.

 

Wie du selbst sagst, bist du besonders gut im Abbrechen von Dingen. Damit bist du nicht allein,oder?

Ich habe tatsächlich zwei Studiengänge abgebrochen. In beiden Fällen haben mich Umstände dazu gezwungen, die ich – aus damaliger Sicht – nicht zu verantworten hatte. Heute sehe ich das anders, heute würde ich mich durch stärkere Widerstände beißen. Das ist kein Ruhmesblatt und Vorbilder habe ich in dieser Hinsicht keine. Es werden zwar immer wieder berühmte und erfolgreiche Menschen hergenommen und als Beispiel dafür bemüht, dass auch Studienabbrecher unfassbar reich werden können und ihnen wohnt immer ein Hauch von „ich bin eigentlich zu intelligent für ein Studium, als Genie hat man schließlich seinen eigenen Kopf“ bei, doch im wahren Leben sind abgebrochene Studiengänge alles andere als ein Indiz für ein erfolgreiches Berufsleben oder gar Genie. Es ist hart. Näheres dazu weiter unten.

 

Wie hast du denn nun diese Geschichte eigentlich fertig bekommen – ging es da nur ums Geld?

Es geht mir sicher nicht ums Geld. Es geht mir nur darum, so gut es mir irgend möglich ist zu schreiben und meine Grenzen immer weiter auszuweiten. Es ist ein schönes Gefühl – und ich denke, da wird mir jeder Schriftsteller zustimmen – wenn man etwas produziert hat, das man noch einen Augenblick vorher nicht für möglich gehalten hat. Sich selbst positiv überraschen. Das geht! Erfolgreich kann ein Künstler/Schriftsteller nur sein, wenn er das macht, was ihm entspricht. Wenn ein Autor kommerziellen Erfolg hat, dann nicht, weil er es darauf angelegt hat, sondern weil es seinem Innersten entspricht. Wenn sein Innerstes zufällig dem Massengeschmack entspricht – hat er Erfolg! Ich habe früher viel Musik gemacht. 90er Jahre, Indie-Rock. Einige meiner Kollegen – sehr virtuose Musiker – hatten die Idee, mit Schlager Geld zu verdienen. Der Grundgedanke war: Diese Musik ist so einfach, so blöd und ich bin so gut, da wäre es doch ein Witz, wenn wir das nicht besser hinbekämen als der Großteil der Schlagerfuzzis. Ergebnis: Misserfolg. Warum? Weil es ihnen nicht entsprach. Es war nicht authentisch.

Das alles heißt nicht, dass ich nicht davon träume, ausschließlich vom Schreiben leben zu können. Welcher Schriftsteller tut das nicht?!

 

Was macht eigentlich Hilde, deine romanschreibende Freundin?

Eine romanschreibende Freundin hatte ich noch nie. Allerdings hatte ich zu der Zeit, als ich den Roman schrieb, eine Freundin, von der ich wirtschaftlich abhängig war. Wir hatten einen Deal: Nachdem ich meine ersten Arbeiten bei Literaturagenturen und Verlagen eingereicht hatte, war die Resonanz durch die Bank positiv und ermunterte zum Weiterschreiben. Daraufhin haben wir uns darauf geeinigt, dass sie die Brötchen verdient und ich schreibe, bis irgendwann  – bitte nicht lachen – mein großer Durchbruch geschafft ist. (Achtung: Spoileralarm!!!) Auf dem Weg dorthin hat sie wohl die Geduld verloren und verließ mich. Das, was ich im Roman beschreibe, ist mir zwei Jahre nach Fertigstellung der Endfassung tatsächlich selbst passiert. Inzwischen bin ich aber wieder glücklich vergeben.  Was ich über Hilde noch verraten kann: Sie wird in der Fortsetzung eine beachtliche Rolle spielen.

 

Wenn du nicht gerade schreibst, was machst du sonst beruflich?

Trotz des abgebrochenen Studiums konnte ich einen Job bei einer Unternehmensberatung in Münster ergattern. Nach sieben Jahren in dieser Branche hatte ich allerdings die Nase voll und wollte etwas machen, das mir Spaß macht. Also schmiss ich die Brocken hin und eröffnete eine Kunstgalerie. Ein großer Fehler. Das Projekt hat mich meine letzten finanziellen Reserven gekostet. Eine Rückkehr in die Unternehmensberatungsbranche ist nach so vielen Jahren nicht mehr möglich und selbst wenn es doch gelänge: Ich will weiter schreiben! Also habe ich mir – nachdem meine Ex-Freundin die Geduld verlor – einen Job gesucht, der mir bei drei Tagen Arbeit in der Woche so viel einbringt, dass ich davon leben und trotzdem weiter schreiben kann. Konkret: ich verkaufe Oliven und Antipasti auf Märkten. Das bedeutet fünfzehn-Stunden-Tage, das bedeutet, dass ich um zwei in der Nacht aufstehen muss, aber das ist es mir wert. Außerdem hatte ich in meinem gesamten Berufsleben noch nie so viele nette Kollegen. Und was das für Kollegen sind! Ein Rechtsanwalt, dessen Kanzlei einfach nicht funktionieren wollte, ein Sozialpädagoge, der irgendwann aus der Kirche ausgetreten ist und in seinem Metier keinen Job bekommen kann, ein Volkswirt, der aus seinem Job gemobbt wurde, ein Fotograf, ein Journalist und, ach ja, ein Schriftsteller.

 

Liest du gern?

Ich lese für mein Leben gern. Und wie sagte Konfuzius? „Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“ Warum sollte ich mir Weg Nummer zwei versagen? Ein Schriftsteller, der nicht liest, ist in der Regel eine Pfeife in seinem Metier.

 

Hast du Tipps für angehende Autoren?

Geduld. Wenn ein Autor meint, seine Endfassung fertiggestellt zu haben, sollte er sie für ein halbes Jahr in der Schublade verschwinden lassen. Dann bitte wieder hervorholen und feststellen: die Endfassung ist gar keine Endfassung gewesen, denn da ist noch so viel Mist drin, das kann ich unmöglich einem Verlag anbieten und schon gar nicht Lesern zumuten. Abstand zum Werk ist wichtig. Hat man einen Text zehn Mal überarbeitet und kennt jedes Wort auswendig, verliert man den Blick für das Wesentliche. Nach ein oder zwei Jahren Arbeit an einem Roman, will der Autor das Ding aber unbedingt unter das Volk bringen. Ein mächtiger Impuls, das Verlangen nach Anerkennung ruft – widersteht!

 

Wann kommt dein nächstes Buch?

Eine Fortsetzung der Fabiansuppe wird es in jedem Fall geben. Vor einigen Monaten konnte ich eine angesehene Literaturagentur dafür gewinnen, doch mir wurde eine ganze Latte von Änderungs“vorschlägen“ gemacht, die es noch umzusetzen gilt. Wird der Roman dann von der Agentur vertreten, steht in den Sternen, wann es erscheint. Sollte es nicht akzeptiert werden – alle Vorschläge werde ich nämlich nicht umsetzen – dann wird es im Selbstverlag Ende November erscheinen.

 

Du hast drei Wünsche frei. Ach nein, warte, nur einen. Welcher ist es?

Zufriedenheit. Punkt.

 

In diesem Sinne – ich hab dir hier mal ein Päckchen Kaffee und einen Sechserträger eingepackt – es freut mich das du hier warst!

 

 

Dieser Post enthält Partnerlinks.